| In den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts begannen von der Psychoanalyse inspirierte Marketingstrategen, die gesichtslos gewordenen Waren der Massenproduktion mit sexuell aufgeladenen Bildern zu verbinden, die kapitalistische Wunschmaschine dockte an das sexuelle Triebgeschehen an. Spätestens seit den siebziger Jahren zerbröselten die Tabus für pornografische Bilder, Filme und Videos. Inszenierte Sexualität wurde zu einem Massenmarkt, der nach den üblichen Gesetzen des Schaffens von Bedürfnissen, Scheinbefriedigung und Steigerung der Bedürfnisse funktioniert. Sexualität, so könnte man glauben, ist eine Frage von Prestige und Akrobatik. Aber selbst im Zusammenhang mit der Pornografie lässt sich beobachten, dass sich die 'Unzucht', geradezu in ihr Gegenteil verkehrt hat: Die sexuelle Enthemmung, die sie ursprünglich meinte, und die sich oft über die jeweils herrschende 'Sexualmoral' hinwegsetzte, ist heute oft selbst schärfster Kontrolle ('Zucht') unterworfen: durch normierte, reproduzierbare Muster und streng geregelte Aktionsmodelle wie 'Settings' und 'Rituale'. | Die dabei produzierten Bilder sparen bewusst innere Zustände, die mit der Sexualität verbunden sind, also geistige und seelische Befindlichkeiten, aus -- und damit gerade jene kommunikativen Ereignisse wie die des sich gegenseitigen Öffnens, des Sich-Einlassens, der seelischen wie körperlichen Grenzüberschreitung. In künstlerischen Arbeiten kommen gelebte Erfahrungen zur Geltung, die auf eine interaktive Imagination zielen. Sie bringen eine große Vielfalt ins Spiel, bieten eine Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen an und ermöglichen eine individuelle Selbstvergewisserung im öffentlichen Diskurs. 'JUST SEX' interessiert sich für die weniger 'glänzenden' als vielmehr gebrochenen Zustände, die mit Sexualität oft verbunden sind: die des vermeintlich Nicht-Schönen, Schutzlosen, Nicht-Coolen, des Humors, der Selbstentgrenzung und nicht zuletzt der schönen Absichtslosigkeit der Sexualität. |